„Klimaschutz und bezahlbares Wohnen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“
Zwischen Klimaschutz, Neubau und bezahlbarem Wohnraum gilt es, die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Wie die HBH diesen Weg gestaltet, erläutern die Vorstände Daniel Kirsch und Alexander Schubert im Interview.
Das Thema Klimaschutz prägt derzeit viele politische Debatten. Welche Bedeutung hat es für die HBH?
Daniel Kirsch: Klimaschutz ist für uns seit vielen Jahren ein wichtiges Anliegen. Bereits in den 1990er-Jahren hat die HBH begonnen, systematisch in die Energieeffizienz des Gebäudebestands zu investieren. Die zahlreichen Modernisierungs- und Neubaumaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass nachhaltiges Bauen und Wirtschaften zentrale Bestandteile unserer Unternehmensstrategie sind.
Ende 2025 hat die HBH eine große Mitgliederbefragung durchgeführt. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für die Mitglieder?
Daniel Kirsch: Eine sehr große. Rund 85 Prozent der Befragten gab an, dass ihnen Nachhaltigkeit wichtig oder sehr wichtig ist. Gleichzeitig unterstützen 78 Prozent unserer Mitglieder das Engagement der HBH für Klimaschutzmaßnahmen. Knapp die Hälfte der Befragten wäre bereit, für entsprechende Maßnahmen auch höhere Nutzungsgebühren zu akzeptieren. Dabei wünschen sich viele ein gutes Augenmaß bei der Umsetzung.
Beim Klimaentscheid im Oktober 2025 hat sich die Mehrheit für ein schärferes Klimaschutzgesetz ausgesprochen. Hamburg soll statt 2045 schon 2040 klimaneutral werden. Wie bewerten Sie dieses Ziel?
Daniel Kirsch: Grundsätzlich zeigt diese Entscheidung, wie wichtig der Gesellschaft Klimaschutz ist. Das kann man durchaus als Chance verstehen. Allerdings wurden bislang keine konkreten Vorschläge vorgelegt, wie die Umsetzung erfolgen und sozialverträglich gestaltet werden soll. Aus unserer Sicht haben es sich die Initiatoren des Volksentscheids mit ihrer Forderung an dieser Stelle zu einfach gemacht. Es zeugt von einer gewissen Blauäugigkeit, die aktuellen Rahmenbedingungen völlig außer Acht zu lassen. Klimaschutz und bezahlbares Wohnen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir erwarten daher mit großem Interesse die Vorschläge der Hansestadt, wie sie den Zukunftsentscheid umsetzen und für Mieterinnen und Mieter sozialverträglich gestalten möchte.
Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden für Klimaschutzmaßnahmen?
Daniel Kirsch: In der öffentlichen Diskussion wird Vermietern oft pauschal vorgeworfen, zu wenig für den Klimaschutz zu tun. Diese Darstellung wird den vielen verantwortungsvoll handelnden Wohnungsunternehmen nicht gerecht. Denn in der praktischen Umsetzung stoßen wir zunehmend auf Rahmenbedingungen, die energetische Maßnahmen erschweren oder mitunter verhindern. Dazu gehören beispielsweise städtebauliche und soziale Erhaltungsverordnungen, aufgrund derer sinnvolle Modernisierungen gar nicht oder nur stark eingeschränkt umgesetzt werden können – zu Lasten des Klimaschutzes und der Wohnqualität für unsere Mitglieder.
Wie erleben Sie die aktuelle Situation beim Wohnungsneubau?
Alexander Schubert: Zwar wird die Notwendigkeit zusätzlicher Wohnungen von allen Seiten immer wieder betont, doch sehen sich Wohnungsunternehmen häufig mit Hindernissen konfrontiert, die Projekte verzögern oder sogar unmöglich machen. Hinzu kommt häufig eine konträre Interessenlage zwischen dem Senat und den Hamburger Bezirken, deren Folgen letztlich auch von den Wohnungsbaugenossenschaften und anderen sozial orientierten Wohnungsunternehmen getragen werden müssen. Dabei leisten Wohnungsbaugenossenschaften seit jeher einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Hamburgerinnen und Hamburger mit dauerhaft bezahlbarem Wohnraum. Dafür wünschen wir uns eine stärkere Anerkennung als verlässlicher Partner.
Wie entwickelt sich der Hamburger Wohnungsmarkt derzeit?
Alexander Schubert: Angesichts einer wachsenden Bevölkerung und eines stagnierenden Neubaus steigt die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in der Hansestadt weiter an. Diese Entwicklung spiegelt sich auch auf dem Wohnungsmarkt wider. Laut der Hamburger Mietenstudie 2025 lag die durchschnittliche Neuvertragsmiete bei 10,13 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Monat. Im Vergleich dazu bewegt sich die HBH mit durchschnittlich 8,04 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche deutlich unter dem Marktniveau.
Wie steht die HBH im Vergleich zum Hamburger Mietenspiegel da?
Alexander Schubert: Nach dem Hamburger Mietenspiegel beträgt zum Stichtag 1. April 2025 die mittlere Nettokaltmiete 9,94 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Damit ist sie seit der letzten Erhebung im Jahr 2023 um 1,12 Prozent gestiegen. Auch hier ist die HBH mit durchschnittlich 7,50 Euro inklusive Mietzuschüssen der Hamburgischen Investitions- und Förderbank deutlich günstiger. Außerdem liegt die durchschnittliche Mietpreissteigerung der HBH im Zehnjahresvergleich leicht unterhalb der Inflationsrate.
Warum sind dennoch von Zeit zu Zeit Mietanpassungen notwendig?
Daniel Kirsch: Um flexibel auf steigende Baukosten und regulatorische Anforderungen reagieren zu können, benötigen wir finanzielle Spielräume. Die Entwicklung der Anteile an den Mieteinnahmen macht deutlich, dass sich die Erhöhung der Nutzungsgebühr direkt dort niederschlägt, während Verwaltungs-, Instandhaltungs- und Kapitalkosten gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben sind. Dadurch können wir notwendige Modernisierungs- und Neubauvorhaben weiterhin verantwortungsvoll umsetzen und gleichzeitig die wirtschaftliche Stabilität der Genossenschaft sichern.
Worin investiert die HBH derzeit konkret?
Daniel Kirsch: Ein wichtiges Projekt unserer Investitionstätigkeit war auch 2025 die Quartiersentwicklung in Barmbek-Süd. Seit 2020 werden die Bestandsgebäude im Bereich Sentastraße, Ortrudstraße und Lohkoppelstraße vollmodernisiert oder durch Neubauten ersetzt. Die Maßnahme betrifft über 250 Wohnungen aus den 1950er-Jahren. 143 Neubauwohnungen werden mit öffentlichen Fördermitteln errichtet. Zusammen mit den 111 vollmodernisierten Wohnungen wirken sie in dem beliebten Hamburger Stadtteil nahe dem Bahnhof Barmbek und dem Stadtpark mietpreisdämpfend. Insgesamt investiert die HBH an diesem Standort rund 64 Millionen Euro.
Welche weiteren Modernisierungsprojekte stehen derzeit auf der Agenda?
Daniel Kirsch: In der Wohnanlage Moorgrund in Wandsbek haben wir Ende 2025 den ersten Bauabschnitt der energetischen Modernisierung von 192 Wohnungen fertiggestellt. Der zweite startete Anfang 2026. In diesem Frühjahr fiel außerdem der Startschuss für ein weiteres Projekt in Hamburg-Wandsbek an der Kedenburgstraße/Wandsbeker Zollstraße. Noch in diesem Jahr wollen wir dort 44 Wohnungen energetisch optimieren. Insgesamt beläuft sich die Investitionssumme auf 19,5 Millionen Euro.
Die HBH geht auch neue Wege bei der Energieversorgung. Können Sie ein Beispiel nennen?
Alexander Schubert: Ein Pilotprojekt bei der Energieversorgung ist das Objekt Fünfstück in Rahlstedt. Seit Ende 2025 werden dort 18 Wohnungen über ein hybrides System aus Luft-Wasser-Wärmepumpen und einer Gasheizung zur Spitzenlastabdeckung versorgt. Ergänzend wurde die Gebäudehülle energetisch optimiert und eine Photovoltaik-Anlage mit Speichersystem installiert. Die Erfahrungen aus diesem Projekt, in das wir 2025 rund 1,7 Millionen Euro investiert haben, fließen in die Planung der Energieversorgung von Wohnanlagen, die derzeit noch mit Gas versorgt werden und nicht an das Fernwärmenetz angeschlossen werden können.
Wie stellt die HBH sicher, dass ihre Klimaziele transparent und nachvollziehbar sind?
Alexander Schubert: Unsere baulichen Maßnahmen und Investitionen stehen im Einklang mit unserem Dekarbonisierungsfahrplan. Dieser unterstützt uns systematisch dabei, die CO2-Emissionen zur Wärmeerzeugung zu reduzieren und die Energieeffizienz der Gebäude und Heizungsanlagen zu steigern. Um unsere Zielsetzungen festzuhalten und zu bewerten, haben wir 2025 unsere erste DNK-Erklärung (Deutscher Nachhaltigkeitskodex) erstellt. Mit dieser zeigen wir transparent auf: Die HBH ist ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen. Wir haben uns klare Ziele gesetzt, halten EU-Vorgaben ein und verfügen über einen verlässlichen Leitfaden für unsere Entscheidungen in den kommenden Jahren. Diese Transparenz ist insbesondere auch für Kreditgeber wichtig. Sie können die Angaben bei Finanzierungsanfragen für ihre Ratingberechnung nutzen. So sichern wir uns die Finanzierungsspielräume für neue Bau- und Modernisierungsprojekte.
Welche Bedeutung hat der Austausch mit Politik, Verwaltung und anderen Partnern für die Arbeit der HBH?
Daniel Kirsch: Für uns ist der partnerschaftliche Dialog mit Politik, Verwaltung und Verbänden ein zentraler Erfolgsfaktor. Nur mit zuverlässigen und konstruktiven Partnern können wir die Klimaziele erreichen, neuen Wohnraum schaffen und eine sozial ausgewogene Wohnungspolitik umsetzen. Wir werden diesen Prozess auch weiterhin aktiv begleiten und unterstützen.
Was wird die größte Herausforderung der kommenden Jahre sein?
Alexander Schubert: Die Balance zwischen bezahlbaren Mieten und der Weiterentwicklung unseres Wohnungsbestands. Unser Ziel bleibt es, den Preisanstieg der Nutzungsgebühren für unsere Mitglieder zu dämpfen und gleichzeitig in die Zukunftsfähigkeit unserer Wohnanlagen zu investieren. Unsere Mietenpolitik verdeutlicht, dass wir das bezahlbare Wohnen in Hamburg aktiv mitgestalten. Genau darin sehen wir eine der zentralen Aufgaben der HBH in den kommenden Jahren.
Herr Kirsch, Herr Schubert, vielen Dank für das Gespräch.
Sie möchten mehr über die aktuellen Zahlen der HBH erfahren?
Hier geht es zum Geschäftsbericht 2025.
Mit der DNK-Erklärung (Deutscher Nachhaltigkeitskodex) dokumentiert die HBH ihre Nachhaltigkeitsziele und macht ihr Engagement für Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften nachvollziehbar. Hier gelangen Sie zur aktuellen DNK-Erklärung.