Bärendienst für das „Bezahlbare Wohnen“

Kommentar des HBH-Vorstands zum Hamburger Zukunftsentscheid

Zwei Hände stecken Wahlzettel mit markierten Kästchen in eine blaue Wahlurne

Oktober 2025 – Hamburg soll 2040 klimaneutral werden, nicht erst 2045. 303.936 Hamburgerinnen und Hamburger stimmten laut Statistikamt Nord am 12. Oktober 2025 für den „Hamburger Zukunftsentscheid“. Das entspricht 53,2 Prozent der abgegebenen Stimmen, wobei die Abstimmungsbeteiligung bei 43,7 Prozent lag. Das heißt aber auch, dass sich 56,3 Prozent der Stimmberechtigten zu diesem Thema nicht äußerten und lediglich 23,2 Prozent der Wahlberechtigten bestimmen, was in Hamburg zu erfolgen hat. Wir, die wir aktiv am Klimaschutz arbeiten, finden das sehr schade!

Die Entscheidung für das vorgezogene Klimaziel hat Konsequenzen. Sie erfordert einen großen finanziellen und organisatorischen Kraftakt – sowie Verzichte, die im Alltag für alle spürbar werden. Doch was bedeutet das zunächst für die HBH und ihre Mitglieder?

Die HBH hat schon vor drei Jahrzehnten begonnen, ihren Gebäudebestand energieeffizient umzubauen. Ebenso stellen wir seit Längerem mit unserer Strategie zur Dekarbonisierung die Energieversorgung in unseren Wohnanlagen auf klimafreundliche Energieträger um. Wir sind auf einem guten Weg, die Klimaneutralität nicht erst 2045, sondern früher zu erreichen. Daher sind wir bei der HBH nicht gezwungen, jetzt in Aktionismus zu verfallen.

Dennoch beobachten wir mit Sorge, was auf dem Hamburger Wohnungsmarkt passieren wird. Alle bis 2045 geplanten Baumaßnahmen zur Klimaneutralität müssen fünf Jahre schneller umgesetzt werden. Wir, wie auch andere Wohnungsunternehmen, müssen unsere bisherige Investitionsplanung und unsere Mietenpolitik neu denken. Die ohnehin schon überlasteten Behörden müssen noch mehr Bauanträge in kürzerer Zeit bearbeiten. Banken und Förderbanken müssen ihre Finanzierungsprodukte bei einem hohen Zinsniveau den neuen Gegebenheiten anpassen. Die knappen Kapazitäten bei Baufirmen und Handwerkern werden noch enger. Zudem werden die Preise für Baumaterialien, Wärmepumpen oder Photovoltaik-Anlagen durch die erhöhte Nachfrage weiter steigen.

Der Klimaentscheid konterkariert zudem den gerade erst auf Bundesebene beschlossenen „Bauturbo“. Die Hamburger Bau- und Wohnungsbranche wird sich auf Gebäudesanierungen und Energie-Infrastrukturmaßnahmen konzentrieren müssen und den Neubau nicht mehr in dem Maße weiterverfolgen können, wie es eigentlich angezeigt wäre. Die Mieten werden damit nicht nur durch die Umlage der Modernisierungskosten, sondern auch durch die weiterhin ungedeckte Nachfrage nach Wohnraum steigen. Damit hat das Bündnis „Hamburger Zukunftsentscheid“, das eine „soziale Verträglichkeit“ versprochen hat, dem bezahlbaren Wohnen in Hamburg einen Bärendienst erwiesen.

Die HBH wird sich für ihre Mitglieder weiterhin für einen sozialverträglichen Klimaschutz einsetzen. So planen wir u. a. mögliche Alternativen, um uns unabhängiger von den Energieversorgern und deren Preisen zu machen.

Daniel Kirsch & Alexander Schubert

Der Vorstand
Hanseatische Baugenossenschaft Hamburg eG