Wenn Azubis Brücken bauen
Azubi-Austausch zwischen der HBH und der Wohnungsgenossenschaft „EINHEIT“ eG Chemnitz: Ein Perspektivwechsel, der nicht nur die Auszubildenden weiterbringt.
Oktober 2025 – Zehn Tage lang tauschte Marie Franzbonenkamp, Auszubildende bei der HBH, ihren Arbeitsplatz in Hamburg gegen einen Schreibtisch in der Geschäftsstelle der WG „EINHEIT“ im sächsischen Chemnitz ein. Für Elina Hähnel aus Sachsen ging es im Gegenzug zwei Wochen nach Hamburg. Beide absolvieren dieselbe Ausbildung als Immobilienkauffrau – und doch unterscheidet sich ihr Beruf im Norden und im Süd-Osten Deutschlands grundlegend.
„Mich hat beeindruckt, wie anders der Markt in Chemnitz funktioniert“, erzählt Marie Franzbonenkamp. „Dort müssen die Genossenschaften aktiv um Interessenten werben, während bei uns in Hamburg die Wartelisten für Wohnungen ellenlang sind.“ Für die 21-Jährige war es der erste Besuch in Sachsen – und einer, der bleibenden Eindruck hinterließ.
Untergebracht in einer Gästewohnung direkt gegenüber der Geschäftsstelle, war ihr Arbeitsweg denkbar kurz. Marie Franzbonenkamp tauchte schnell in den Alltag der sächsischen Kolleginnen und Kollegen ein. Sie begleitete Wohnungsabnahmen und Eigentümerversammlungen, half bei Besichtigungen und war bei einem bunten Nachbarschaftsevent dabei. Besonders begeistert hat sie die Atmosphäre im Team: „Bei der WG ‚EINHEIT‘ duzen sich alle und man isst gemeinsam Mittag – das schafft sofort Nähe und ein richtig familiäres Gefühl.“
Obwohl beide Genossenschaften ähnlich groß sind und eine vergleichbare Anzahl an Wohnungen verwalten, unterscheiden sie sich deutlich in Aufbau und Organisation. So betreut die WG „EINHEIT“ zusätzlich Eigentumswohnungen und engagiert sich stark in der Mitgliederbindung, um auch neue Interessenten zu gewinnen, etwa durch Feste in der Nachbarschaft, Coworking-Angebote oder einen Showroom, um Wohnungsausstattungen „zum Anfassen“ zu präsentieren.
Auch Elina Hähnel erlebte während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes in Hamburg, wie unterschiedlich Wohnungswirtschaft funktionieren kann. Sie wohnte in einer Gästewohnung in Wandsbek und bekam bei der HBH einen umfassenden Einblick in viele Bereiche: von der Mietenbuchhaltung über Bauabnahmen bis hin zur Rechnungskontrolle.
„Ich war überrascht, wie groß der Andrang auf Wohnungen hier ist“, erzählt sie. „In Chemnitz führen wir kaum Wartelisten. In Hamburg dagegen bewerben sich teilweise Tausende auf eine Wohnung.“ Auch das Miteinander im HBH-Team blieb ihr positiv in Erinnerung. „Die Kolleginnen und Kollegen waren sehr offen und hilfsbereit. Am Wochenende haben mich die anderen Azubis mitgenommen und mir ihre Stadt gezeigt“, so die 17-Jährige. „Dabei habe ich auch gelernt, dass der Dom in Hamburg ein großes Volksfest ist und keine Kirche, wie ich zunächst dachte“, lacht sie.
Viele neue Eindrücke nahmen die beiden Auszubildenden aus ihrem Schreibtisch-Tausch mit: Andere Arbeitsweisen, andere Abläufe und die Erkenntnis, dass ihre Ausbildung in der Genossenschaft auf den gleichen Werten basiert, auch wenn die Themen verschieden sind. „Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich man denselben Beruf leben kann“, sagt Marie Franzbonenkamp. „Und gleichzeitig merkt man: Am Ende geht es überall darum, gutes Wohnen für Menschen zu schaffen.“
Beide Auszubildende sind sich einig: Der Austausch hat nicht nur Wissen, sondern auch neue Freundschaften gebracht – und gezeigt, dass man voneinander immer etwas lernen kann.